27 March 2026, 14:12

Warum Wähler der Demokratie den Rücken kehren – und nicht zurückkommen

Gruppe von Menschen mit einem Transparent mit der Aufschrift "├ľffne die Grenzen, rette Leben, bek├Ąmpfe Faschismus" vor einem Geb├Ąude mit Glasfenstern und einem Mast, mit einem Fahrrad und einer Tasche auf der Stra├če.

Warum Wähler der Demokratie den Rücken kehren – und nicht zurückkommen

Soziologe Aladin El-Mafaalani untersucht, warum sich manche Wähler komplett von der Demokratie abwenden

In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert der Soziologe Aladin El-Mafaalani, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren. Diese skeptischen Gruppen, so seine These, bilden heute eng vernetzte Netzwerke – nicht vereint durch gemeinsame Überzeugungen, sondern durch gemeinsames Misstrauen.

El-Mafaalani konzentriert sich in seiner Forschung auf Wähler, die rechtspopulistische Parteien wie die deutsche AfD unterstützen. Er warnt: Selbst wenn die AfD in der Regierung scheitert, werden ihre Anhänger nicht automatisch zur demokratischen Mitte zurückkehren. Stattdessen verbünden sie sich mit Gleichgesinnten, die liberale Institutionen ablehnen, und schaffen so, was El-Mafaalani "Gemeinschaften des Misstrauens" nennt. Digitale Medien haben es diesen Gruppen leichter gemacht als je zuvor, sich zu vernetzen und zu organisieren.

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Der Aufstieg der AfD seit 2013 spiegelt diesen Trend wider Ursprünglich als EU-skeptische Partei gegründet, hat sich die AfD zu einer bedeutenden populistischen Kraft entwickelt. Wichtige Meilensteine waren etwa der Gewinn von 24,3 Prozent bei der Landtagswahl in Thüringen 2017 – das erste Mal, dass eine rechtspopulistische Partei in einem deutschen Bundesland stärkste Kraft wurde. Bis 2024 stieg ihre Unterstützung in Thüringen auf 27,5 Prozent, in Sachsen sogar auf 30,6 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die AfD mit 20,8 Prozent bundesweit den zweiten Platz. Anfang 2026 zeigten Umfragen, dass sie in ostdeutschen Ländern wie Brandenburg und Sachsen sogar führend lag.

Die Entwicklung der Partei löst starke Reaktionen aus Massenproteste folgten auf ihre Erfolge. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte 2024 die AfD-Landesverbände in Thüringen und Sachsen als extremistisch ein. Die Bundesregierung kündigte seitdem Gegenmaßnahmen an, um ihren Einfluss einzudämmen.

El-Mafaalani beleuchtet in seiner Analyse auch Figuren wie Donald Trump. Populistische Strategen, erklärt er, nutzen gezielt Misstrauen aus, um Macht aufzubauen. Seine Arbeit zeigt: Allein das Aufdecken ihrer Versagen wird das öffentliche Vertrauen nicht wiederherstellen – es braucht neue Ansätze.

Die Wahlerfolge der AfD zeigen, wie Misstrauen die Politik verändern kann El-Mafaalanis Erkenntnisse verdeutlichen eine zentrale Herausforderung: Wenn Gemeinschaften demokratische Institutionen einmal ablehnen, kehren sie selten ohne tiefgreifende Veränderungen zurück. Sein Buch bietet einen Rahmen, um den Aufstieg populistischer Bewegungen zu verstehen – und darauf zu reagieren.

Quelle