04 April 2026, 20:06

"Todesbunker" in NRW: Wie Thomas Frauendienst 80 Operationen und Folter überlebte

Schwarze und weiße Zeichnung von verstörten Menschen in einem schwach beleuchteten Raum, mit der Unterschrift 'Der Tod der Kinder' unten.

"Todesbunker" in NRW: Wie Thomas Frauendienst 80 Operationen und Folter überlebte

Ein erschütternder Fall von Misshandlung in einem Pflegeheim in Nordrhein-Westfalen ist durch die Geschichte von Thomas Frauendienst ans Licht gekommen. Der 1964 mit einer angeborenen Erkrankung geborene Junge wurde unmittelbar nach seiner Geburt in das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein gebracht – eine Einrichtung, die später wegen ihrer hohen Sterblichkeitsrate als "Todesbunker" bezeichnet wurde. Noch vor seinem vierten Lebensjahr musste er Zwangsmedikation, Hungersnot und wiederholte Operationen über sich ergehen lassen.

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Thomas Frauendienst erblicke am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen das Licht der Welt. Noch in der Nacht seiner Geburt wurde er in das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein verbracht. Die später für ihre grausamen Zustände berüchtigte Anstalt trug ihn als Nummer 2033 in das Buch Kinder in Sonderbehandlung ein.

In seinen ersten vier Lebensjahren durchlitt er über 80 Operationen und wurde sexuell missbraucht. Die Schwestern im Heim fesselten ihn ans Bett, zwangen ihn zum Erbrechen und ließen ihn fast verhungern. Sein Leid endete erst 1968, als eine Diakonisse drohte, die Misshandlungen öffentlich zu machen, woraufhin seine Familie ihn nach Hause holte.

Eine spätere Studie ergab, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen in NRW-Einrichtungen ähnlichen Missbrauch durch Zwangsmedikation erlebten. Frauendienst erhielt schließlich von der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro für das erlittene Trauma. Nach seiner Entlassung übernahmen seine Eltern und eine Freundin namens Ingrid die Verantwortung für seine medizinische Versorgung.

Der Fall Thomas Frauendienst verdeutlicht die extremen Misshandlungen, die in den 1960er-Jahren in NRW-Heimen stattfanden. Seine Erfahrungen decken sich mit den Erkenntnissen über systematische Grausamkeiten, darunter Zwangsbehandlungen und Vernachlässigung. Zwar wurde später eine Entschädigung gezahlt, doch die langfristigen Folgen solcher institutionalisierter Grausamkeit bleiben bestehen.

Quelle