"Radikale Freundlichkeit": Sollten Österreicher jetzt dankbar für geklaute Parkplätze sein?
Lotta Hofmann"Radikale Freundlichkeit": Sollten Österreicher jetzt dankbar für geklaute Parkplätze sein?
Ein neues Buch mit dem Titel „Radikale Freundlichkeit“ hat in Österreich eine Debatte ausgelöst. Die Autorin schlägt ungewöhnliche Wohltaten vor – etwa, sich bei jemandem zu bedanken, der den letzten Parkplatz wegnimmt. Manche scherzen bereits, das Buch müsse im Land verboten werden.
Die Schriftstellerin rät ihren Leserinnen und Lesern zudem, Selbstkritik durch Humor zu ersetzen. Statt harter Gedanken solle man sich selbst als „kognitiven Minimalisten“ bezeichnen. Mit diesem Ansatz will sie auf spielerische Weise mehr Selbstmitgefühl fördern.
Österreicher verfügen über einen reichen Wortschatz für Frustration: Über 50 Bezeichnungen für „Idiot“ sind geläufig – von „Dodel“ über „Wappler“ bis „Vollkoffer". Fluchen gilt gar als Kraftquelle oder eine Art Yoga. Langsame Autofahrer auf der Südautobahn werden mit koffeinfreiem Energydrink verglichen: seltsam belebend statt wütend machend.
Zum Vergleich: Isländer sind für ihre vielen Begriffe für Schnee bekannt – ein Beleg dafür, wie Sprache Kultur widerspiegelt. Das Buch stellt nun Österreichs Vorliebe für kreative Schimpfwörter infrage und plädiert stattdessen für mehr Freundlichkeit.
Die Diskussion zeigt Österreichs besonderes Verhältnis zu Sprache und Emotionen. Ob sich die Ratschläge durchsetzen, bleibt abzuwarten – doch sie bieten eine Alternative zu traditionellen Ausdrucksformen des Ärgers.
