Europas Flugbranche setzt stärker auf nachhaltige Kraftstoffe – doch die Herausforderungen bleiben
Lukas RichterEuropas Flugbranche setzt stärker auf nachhaltige Kraftstoffe – doch die Herausforderungen bleiben
Europas Nutzung nachhaltiger Flugkraftstoffe (SAF) steigt rasant
In den vergangenen Monaten hat sich der Einsatz nachhaltiger Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuel, SAF) in Europa stark erhöht. 2024 erreichte der Anteil bereits 2 % – mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts von 0,6 %. Der deutliche Anstieg fällt mit neuen EU-Vorgaben zusammen, die Fluggesellschaften zum Senken ihrer Emissionen verpflichten, während gleichzeitig steigende Ölpreise und Lieferengpässe die Branche unter Druck setzen.
Die ReFuelEU-Regeln der EU schreiben vor, dass bis 2025 mindestens 2 % des Kerosins an regionalen Flughäfen aus SAF bestehen müssen; bis 2030 soll dieser Anteil auf 6 % steigen. Eine separate Verordnung verlangt, dass synthetische SAF (eSAF) ab 2030 einen Anteil von 1,2 % am Gesamtkraftstoff ausmachen müssen, der bis 2035 auf 5 % anwachsen soll. Diese Ziele stoßen jedoch auf Widerstand bei Airlines for Europe (A4E), die argumentiert, dass begrenzte Verfügbarkeit und hohe Produktionskosten die eSAF-Vorgabe unrealistisch machen.
Trotz der Bedenken der Branche hat die Europäische Kommission eine Abschwächung der eSAF-Pflicht ausgeschlossen. Stattdessen will man den Kraftstoff erschwinglicher und breiter verfügbar machen. Florian Guillermet, Direktor der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA), bestätigte, dass das 2 %-Ziel für SAF bis 2025 vermutlich bereits übertroffen wurde. Gleichzeitig betonte er, dass die eSAF-Regeln unverändert bleiben werden.
Laut Daten der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) boten 2024 über 46 Flughäfen – vor allem in Europa und den USA – SAF für Linienflüge an. Mehr als 360.000 Flüge nutzten den Kraftstoff im vergangenen Jahr, ohne dass sich eine einzelne Airline als dominanter Abnehmer hervortat. Der Anstieg der SAF-Nutzung folgt auf freiwillige Initiativen, noch bevor die EU-Frist 2025 in Kraft tritt.
Aktuelle geopolitische Spannungen, darunter der Konflikt im Iran, haben die Ölpreise in die Höhe getrieben und traditionelle Kraftstofflieferungen gestört. Dadurch rücken die Kerosinkosten stärker in den Fokus – und die Rolle von SAF für die langfristige Energiesicherheit gewinnt weiter an Bedeutung. Ein EU-Vertreter unterstrich, dass die Einhaltung der Vorgaben unverzichtbar sei, um die Klimaziele zu erreichen.
Die SAF-Ziele der EU sind nun in der Umsetzung – und die frühe Einführung übertrifft die Erwartungen. Fluggesellschaften und Aufsichtsbehörden müssen nun Lieferengpässe und Kostensorgen bewältigen, während die Regeln strenger werden. Der nächste Meilenstein – eine 6 %-SAF-Pflicht bis 2030 – wird die Fähigkeit der Branche auf die Probe stellen, die Produktion im großen Stil hochzufahren.






