Warum die Deutsche Bahn an der Grenze zu den Niederlanden ins Stocken gerät

Admin User
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Ein Zug ist in der Mitte des Bildes zu sehen, mit einer Plattform und Text unten, Gebäuden und einem Dach links und Gebäuden, Dächern, Kabeln und Himmel oben.

Warum die Deutsche Bahn an der Grenze zu den Niederlanden ins Stocken gerät

Güterzüge, die von den Niederlanden nach Deutschland fahren, haben noch immer mit veralteten Bahnsystemen und häufigen Verspätungen zu kämpfen. Hans Blom, ein Lokomotivführer mit fast vier Jahrzehnten Erfahrung, kennt diese problematische Strecke nur zu gut. Seine Fahrten verdeutlichen den eklatanten Gegensatz zwischen zwei Nachbarländern – das eine setzt auf digitale Bahntechnologie, das andere hängt hinterher.

Bloms Zug, fast 700 Meter lang und mit 50 Containern beladen, startet im niederländischen Rangierbahnhof Kijfhoek. Der niederländische Abschnitt führt durch die hochmoderne Betuwe-Region, einen Korridor ohne Bahnhöfe oder Bahnübergänge. Hier regelt das Europäische Zugsicherungssystem (ETCS) bereits die Geschwindigkeiten und ermöglicht über kleine streckenseitige Transponder automatisierte Betriebsabläufe.

Doch sobald der Zug die Grenze nach Deutschland überquert, ändert sich das System schlagartig. Statt ETCS muss Blom sich auf die veraltete nationale Signaltechnik der Deutschen Bahn (DB) verlassen. Der Wechsel bedeutet oft Umleitungen, Baustellen und Verspätungen. Während die Niederlande weite Teile ihres Kernnetzes modernisiert haben, ist Deutschland bisher erst auf 500 Kilometern – etwa 1,5 Prozent des gesamten Streckennetzes – mit ETCS ausgerüstet.

Die Deutsche Bahn und ihre Infrastrukturtochter DB InfraGO stehen wegen der zögerlichen Umsetzung in der Kritik. Projekte wie der "Digitale Knoten Stuttgart", Teil des Großprojekts Stuttgart 21, stocken aufgrund technischer Probleme mit den Systemen von Hitachi, komplizierter Genehmigungsverfahren und mangelnder Koordination. Die Bundesnetzagentur, die deutsche Netzregulierungsbehörde, nennt diese Mängel als Hauptgründe für die Verzögerungen. Sowohl die DB als auch das Bundesverkehrsministerium räumen ein, dass Unterfinanzierung und ineffiziente Mittelverwendung die Lage verschärft haben.

Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn geplant, den Großteil der Strecken bis heute zu digitalisieren. Doch der desolate Zustand der Schieneninfrastruktur zwang das Unternehmen, diese Pläne deutlich zurückzufahren. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich, bei dem Güter- und Personenzüge weiterhin mit veralteten Signalen und manuellen Steuerungen zurechtkommen müssen.

Der Unterschied zwischen den Niederlanden und Deutschland zeigt, wie ungleichmäßig Europas Bahnmodernisierung voranschreitet. Zwar verspricht ETCS reibungsloseren, schnelleren und stärker automatisierten grenzüberschreitenden Verkehr – doch Deutschlands zögerliche Einführung zwingt Lokomotivführer wie Blom, sich mit vermeidbaren Komplikationen herumzuschlagen. Ohne schnellere Modernisierung werden Güter- und Personenzüge auf wichtigen Strecken weiterhin mit unnötigen Verspätungen kämpfen müssen.