Warendorf hält an umstrittenen Straßennamen trotz NS-Debatte fest
Stadt Warendorf behält umstrittene Straßennamen bei
Der Stadtrat von Warendorf hat beschlossen, drei umstrittene Straßennamen trotz Empfehlungen einer Bürgerinitiative unverändert zu lassen. Im Mittelpunkt der Debatte standen historische Persönlichkeiten, die mit den Straßen verbunden sind – darunter eine nationalsozialistisch gesinnte Schriftstellerin und ein angesehener, NS-kritischer Oberbürgermeister. Ausschlaggebend für die endgültige Abstimmung waren vor allem finanzielle Erwägungen und die Präferenzen der Anwohner:innen.
Die betroffenen Straßen – Agnes-Miegel-Weg, Wagenfeldstraße und Heinrich-Tenhumberg-Straße – sorgen seit Jahren für Diskussionen. Die Dichterin Agnes Miegel, deren Werk sich mit der NS-Ideologie deckte, bleibt eine polarisierende Figur. Dennoch behält nicht nur ihr Straßenname Bestand, sondern auch die Tafel mit einem ihrer Zitate am Rathaus. Die Heinrich-Tenhumberg-Straße hingegen ehrt einen lokalen Widerstandskämpfer und Nachkriegsoberbürgermeister, der für den Wiederaufbau Warendorfs nach 1945 hoch geschätzt wird.
Die Wagenfeldstraße, benannt nach dem Bauhaus-Designer Wilhelm Wagenfeld, hat zwar keinen direkten Bezug zu Warendorf, würdigt aber seinen kulturellen Einfluss auf nationaler Ebene. Der Rat lehnte Vorschläge ab, erläuternde Hinweistafeln anzubringen oder die Straßen umzubenennen – darunter auch den Vorschlag, ein Zitat des Warendorfer Autors Paul Schallück zu integrieren. Als Gründe wurden die geschätzten Kosten von 5.700 Euro für neue Schilder sowie Umfragen genannt, in denen sich die Mehrheit der Anwohner:innen gegen Änderungen aussprach.
Reinhold Schoppmann, Vertreter des Bürgerbündnisses, kritisierte das Ergebnis als vertane Chance zur Auseinandersetzung mit der Geschichte. Ratsmitglied André Wenning (FWG) verteidigte die Entscheidung und betonte, die Meinung der Bevölkerung stehe im Vordergrund. Die regierende Koalition aus CDU und FWG setzte sich schließlich für den Status quo durch und beendete die Debatte vorerst.
Die Straßen behalten ihre bisherigen Namen, und auch die Miegel-Tafel am Rathaus bleibt erhalten. Der Warendorfer Stadtrat gab damit Haushaltszwängen und Bürgerfeedback den Vorrang vor einer historischen Neubewertung. Fürs Erste bleibt der Umgang der Stadt mit ihrer umstrittenen Vergangenheit unverändert.






