Vom Gefängnis zur Machtzentrale: Mainzer Knast wird Regierungsgebäude

Vom Gefängnis zur Machtzentrale: Mainzer Knast wird Regierungsgebäude
Das Gefängnis Mainz: Vom strengen Untersuchungshaftzentrum zum modernen Regierungsgebäude
Das Gefängnis Mainz, einst eine zentrale Untersuchungshaftanstalt in Rheinland-Pfalz, schloss 2002 nach fast einem Jahrhundert Betrieb seine Tore. Die für ihre harten Bedingungen und prominenten Häftlinge bekannte Einrichtung durchlief später eine radikale Verwandlung – heute beherbergt sie ein modernes Regierungsgebäude.
Eröffnet zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zählte die Justizvollzugsanstalt in den 1990er-Jahren rund 300 Inhaftierte unter extremen Bedingungen. Die Zellen maßen gerade einmal acht Quadratmeter, und die Gefangenen verbrachten bis zu 23 Stunden am Tag eingesperrt. Hofgang war stark eingeschränkt – ein Zeichen dafür, dass in dieser Anstalt Sicherheit Vorrang vor Resozialisierung hatte.
Obwohl dort keine berüchtigten Langzeitgefangenen dokumentiert sind, diente das Gefängnis zeitweise als Untersuchungshaftort für bekannte Persönlichkeiten. Dazu zählten der sogenannte „Wormser Hammer-Mörder“ sowie ein ehemaliges Mitglied der Rote Armee Fraktion (RAF). Ab 2001 liefen die Pläne für einen Neubau, und bereits ein Jahr später wurden die Häftlinge in die neu errichtete Justizvollzugsanstalt Rohrbach sowie andere Einrichtungen wie Wöllstein verlegt. 2002 schloss das Gefängnis Mainz offiziell und beendete damit seine Rolle im Justizsystem der Region.
Sieben Jahre später erhielt das Gelände eine neue Bestimmung. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen 2009 entstand aus dem alten Gefängnis ein Verwaltungszentrum. Heute haben hier der Präsident des Landtages Rheinland-Pfalz sowie die Büros des Landtags ihren Sitz. Auch das benachbarte ehemalige Central Hotel Eden am Bahnhofplatz erfuhr einen Wandel: Dort befinden sich nun das AC Hotel by Marriott und das Restaurant Adam und Eden. Noch in den frühen 1990er-Jahren prangte an dieser Stelle eine Straßenbahnwerbung für Babyland, ein Kinderfachgeschäft in Ingelheim – ein kleines Detail aus der Zeit, als das Gefängnis noch in Betrieb war.
Die Schließung des Gefängnisses Mainz markierte das Ende einer Ära für das städtische Strafvollzugssystem. Seine Umnutzung zu einem Regierungsgebäude und die Modernisierung des Umfelds spiegeln größere Entwicklungen in der Stadtplanung wider. Die Geschichte des Ortes – vom strengen Untersuchungsknast zur politischen Zentrale – bleibt ein prägendes Kapitel der Mainzer Vergangenheit.

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