24 March 2026, 14:07

Verbotenes Ballett: Wie Nurejews dramatisches Leben Russland herausfordert

Plakat für eine Pariser Ballettvorstellung von 1909 namens "Saison Russe" mit einer gemalten Tänzerin in einer anmutigen Pose.

Verbotenes Ballett: Wie Nurejews dramatisches Leben Russland herausfordert

Ein Ballett über das turbulente Leben Rudolf Nurejews hat selbst eine dramatische Reise hinter sich – zunächst 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt, wurde die Produktion 2023 in Russland verboten. Das Werk erzählt Nurejews Aufstieg vom Sohn einer tatarischen Familie zum weltweiten Ballettstar, seine Flucht nach Frankreich und seine ambivalente Liebe zu seiner Heimat.

Rudolf Nurejew kam 1938 im Transsibirien-Express nahe dem Baikalsee als Kind baschkirisch-tatarischer Eltern zur Welt. Er studierte unter dem legendären Alexander Puschkin, bevor er 1961 nach Frankreich floh – auf der Suche nach künstlerischer Freiheit. Sein Leben, geprägt von außergewöhnlichem Talent, einer tiefen Verbindung zu Russland und dem Kampf um persönliche Freiheit, endete 1993 in Paris an den Folgen von Aids.

Das Ballett Nurejew feierte 2017 Premiere, inszeniert vom Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow. Possochow, in Luhansk geboren und heute US-Staatsbürger, arbeitet trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 weiterhin mit dem Bolschoi zusammen. Serebrennikow hingegen wurde in Russland wegen Untreue verurteilt und lebt seitdem in Berlin – die ursprüngliche Premiere verpasste er daher.

Die Bühnenbildner griffen für die Produktion auf persönliche Gegenstände aus Nurejews Leben zurück: Aktzeichnungen alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und Anspielungen auf seine italienische Insel. Kritiker lobten die emotionale Wucht des ersten Akts, während der zweite trotz beeindruckender Soli und großer Ensembleszenen an Schwung verlor.

Seit 2017 hat sich das kulturelle Klima in Russland radikal verändert. Nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 wurden künstlerische Dissensäußerungen härter unterdrückt. Künstler wie Kirill Sawtschenko und Alexandra Sucharewa zogen sich von internationalen Veranstaltungen zurück, etwa von der Biennale Venedig 2022, als der staatliche Griff auf die Kultur zunahm. 2023 wurde Nurejew schließlich nach Gesetzen verboten, die "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" unter Strafe stellen.

Heute existiert das Ballett Nurejew außerhalb Russlands – seine Geschichte ist eng mit den politischen Umbrüchen des Landes verknüpft. Einst am Bolschoi gefeiert, steht es nun für den Widerstand eines Künstlers und den schwindenden Raum für freie Meinungsäußerung. Die Produktion bleibt ein Zeugnis von Nurejews unsterblichem Erbe, selbst wenn seine Heimat sie verwirft.

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