Solingen: Wie sich Bestattungskultur in zehn Jahren radikal verändert hat
Jakob WagnerSolingen: Wie sich Bestattungskultur in zehn Jahren radikal verändert hat
Bestattungspraktiken in Solingen haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich gewandelt. Protestantische Friedhöfe bieten heute eine größere Vielfalt an, wobei Urnenbestattungen stark zugenommen haben. Dieser Wandel spiegelt sich in veränderten Wünschen der Angehörigen und neuen Richtlinien der örtlichen Kirchen wider.
Noch 2014 waren Sarg- und Urnenbestattungen auf Solingens evangelischen Friedhöfen nahezu gleichauf. Bis 2022 entfielen bereits über zwei Drittel aller Beisetzungen auf Urnen. Dadurch hat die Nachfrage nach klassischen Erdbestattungen spürbar nachgelassen.
Die Friedhöfe haben ihr Angebot erweitert, um den neuen Bedürfnissen gerecht zu werden. Angehörige können heute zwischen Wiesengräbern, Kolumbarien, Baumbestattungen oder thematischen Bereichen wie dem „Kunst- und Kultur“-Urnengrab oder dem „Garten der Hoffnung“ wählen. Die meisten dieser neuen Grabformen erfordern kaum Pflege – die Instandhaltung übernimmt das Friedhofspersonal gegen eine einmalige Gebühr.
Auch die Kirchenpolitik hat sich geändert: Die evangelischen Gemeinden in Solingen erlauben nun Bestattungen für Nichtmitglieder, was früher nicht möglich war. Mit jährlich zwischen 800 und 850 Beisetzungen bleibt die Gesamtzahl der Bestattungen stabil.
Der Trend zu Urnenbestattungen und pflegeleichten Gräbern zeigt eine klare Präferenz für praktische Lösungen. Vor allem Angehörige, die nicht in Solingen leben, entscheiden sich zunehmend für Optionen, die sie von laufender Grabpflege entlasten. Die Friedhöfe der Stadt haben reagiert und bieten flexiblere, alltagstaugliche Alternativen an.
