RAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung gefährdet Kulturszene und historische Hallen
Jakob WagnerRAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung gefährdet Kulturszene und historische Hallen
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines lebendigen Zentrums für Clubs und Kulturstätten, steht auf dem Spiel. Ein Streit zwischen der Kurth-Gruppe und der Stadt Berlin hat sich zugespitzt – langjährige Mieter drohen bereits ab nächster Woche die Räumung.
Das RAW-Gelände begann einst als Wartungsdepot für Reichsbahn-Züge, bevor es nach dem Fall der Berliner Mauer in Vergessenheit geriet. Heute beherbergt es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, saisonale Märkte sowie Lagerhallen und Kulturorte wie den Club Cassiopeia.
Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Pläne für Wohnungsneubauten. Die Kurth-Gruppe pocht auf eine beschleunigte Baugenehmigung, bevor weitere Gespräche geführt werden, während Stadt und Mieter über die Zahl der neuen Wohnungen und den Erhalt der historischen Hallen streiten. Die Investorengruppe wirft Berlin vor, frühere Absprachen gebrochen zu haben, die Stadt wiederum bezichtigt den Entwickler, die soziokulturelle Szene des Geländes zu gefährden.
Als Reaktion hat Benjamin Kiepurning, Mitarbeiter des Club Cassiopeia, eine Petition gestartet, um die Kurth-Gruppe zurück an den Verhandlungstisch zu drängen. Dutzende haben bereits vor den Büros der Gruppe protestiert. Die Unterschriften sollen diesen Freitag dem Senat überreicht werden, um den Druck zu erhöhen.
Einigen Mietern wurden bereits Räumungsbescheide zugestellt – die ersten Zwangsräumungen könnten schon nächste Woche beginnen. Die Petition und die Proteste zielen darauf ab, die Gespräche wiederaufzunehmen. Ohne eine Einigung drohen dem RAW-Gelände unwiderrufliche Veränderungen: Sowohl sein kulturelles Gefüge als auch die historischen Bauten könnten für immer verloren gehen.
