16 March 2026, 18:12

Pflegende Angehörige kämpfen mit explodierenden Kosten und 50-Stunden-Wochen

Ein Plakat mit der Aufschrift "Beenden Sie den Job: Gesundheit sollte ein Recht sein, nicht ein Privileg" und einer Karte mit der Aufschrift "Machen Sie niedrigere Gesundheitskosten permanent und schließen Sie die Versorgungslücke für amerikanische Familien."

Pflegende Angehörige kämpfen mit explodierenden Kosten und 50-Stunden-Wochen

Pflegende Angehörige in Deutschland leiden zunehmend unter finanzieller Belastung, da die Kosten für die häusliche Pflege stark steigen. Ein neuer Bericht zeigt, dass mehr als die Hälfte der zu Hause Gepflegten ausschließlich auf Familienmitglieder angewiesen sind, die oft fast 50 Stunden pro Woche für die Betreuung aufbringen. Kritiker warnen, dass das aktuelle System die Familien im Vergleich zu stationären Pflegeangeboten ungleich stärker belastet.

Nach deutschem Recht hat die häusliche Pflege offiziell Vorrang, um Betroffenen ein vertrautes Umfeld zu ermöglichen. Paragraf 3 des Elften Buchs des Sozialgesetzbuchs (SGB XI) verankert dieses Prinzip und räumt Betroffenen die Wahl zwischen stationärer Pflege, professioneller ambulanter Betreuung oder Unterstützung durch Angehörige ein. Derzeit leben 85,9 % der pflegebedürftigen Menschen in den eigenen vier Wänden, wobei 54,5 % ausschließlich von Familienmitgliedern versorgt werden.

Doch die finanzielle Realität für diese Haushalte ist hart: Die medianen monatlichen Eigenanteile für die häusliche Pflege liegen bei 2.085 Euro – die Hälfte der Familien zahlt jedoch noch mehr. Bei Schwerstpflegebedürftigen können die Kosten sogar über 7.000 Euro im Monat betragen, deutlich mehr als die durchschnittlichen 3.200 Euro, die Heimbewohner im ersten Jahr aufbringen müssen. Während sich die Ausgaben in Pflegeheimen mit der Zeit verringern können, bleiben die Kosten für die häusliche Pflege konstant hoch.

Der Bundesverband der Angehörigenpflegenden ("wir pflegen" e.V.) kritisiert diese Schieflage scharf. Dem Verband zufolge wenden pflegende Angehörige im Schnitt 49 Stunden pro Woche für die Betreuung auf, ein Viertel sogar mindestens 57 Stunden. Die Organisation betont, dass das System die Familien übermäßig belastet – besonders angesichts weiter steigender Kosten.

Die Bundesregierung hat angekündigt, das Pflegesystem bis Ende 2026 zu reformieren, um es bezahlbarer und zukunftsfähiger zu gestalten. Bis dahin bleiben die Familien mit hohen Eigenanteilen belastet, ohne Entlastung für diejenigen, die Schwerstpflegebedürftige unterstützen. Die geplanten Änderungen müssen sowohl die finanziellen Ungleichheiten als auch die wachsenden Anforderungen an unbezahlt Pflegende angehen.

Quelle