Paderborns dunkles Erbe: Wie Kardinäle Missbrauchstäter über Jahrzehnte deckten
Jakob WagnerStudie beleuchtet sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Paderborns dunkles Erbe: Wie Kardinäle Missbrauchstäter über Jahrzehnte deckten
Eine neu veröffentlichte unabhängige Studie deckt schwerwiegende Versäumnisse im Erzbistum Paderborn auf. Der Bericht zeigt, dass Kardinäle über Jahre hinweg Missbrauchstäter systematisch deckten, während sie das Leid der Opfer ignorierten. Die Untersuchung, die einen Zeitraum von 81 Jahren umfasst, legt strukturelle Defizite in einem der einflussreichsten katholischen Bistümer Deutschlands offen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht das Erzbistum Paderborn, eine der großen Diözesen mit 1,3 Millionen Katholiken in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Sein Gebiet erstreckt sich von Minden im Norden bis Siegen im Süden und von Herne im Westen bis Höxter im Osten. Die Studie analysiert die Amtszeiten zweier zentraler Persönlichkeiten: die Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt, die das Erzbistum von 1941 bis 2002 führten.
Ursprünglich sollte der Bericht bereits früher veröffentlicht werden, doch Verzögerungen ergaben sich durch die COVID-19-Pandemie sowie die Entdeckung zusätzlichen Quellenmaterials. Die Forscher planen nun eine zweite Phase, um den Zeitraum von 2002 bis 2022 zu untersuchen – mit besonderem Fokus auf den emeritierten Erzbischof Hans-Josef Becker.
Die Ergebnisse erscheinen vor dem Hintergrund umfassender Bemühungen der deutschen katholischen Kirche, die Missbrauchsskandale aufzuarbeiten. So richtete das Bistum Würzburg im April 2025 ein unabhängiges Team ein, um frühere Versäumnisse zu prüfen. Der ehemalige Bischof Hofmann entschuldigte sich öffentlich, gab seinen Ehrentitel zurück und kündigte eine Stiftung für Opfer an. Bis März 2026 liegen jedoch keine direkten Stellungnahmen des Erzbistums Paderborn oder seiner Kardinäle zu den konkreten Vorwürfen vor.
Die Studie unterstreicht ein Muster der Täterschutzstrategien und der Vernachlässigung der Opfer im Erzbistum Paderborn. Weitere Recherchen werden sich bis ins 21. Jahrhundert erstrecken, um zu klären, ob sich diese Versäumnisse auch unter späterer Führung fortsetzten. Der Bericht erhöht den Druck auf die deutsche katholische Kirche, sich ihrer Missbrauchsgeschichte zu stellen.