NRW startet Mega-Projekt: Rheinwasser soll Braunkohle-Tagebaue in Seen verwandeln
Julian SchmitzNRW startet Mega-Projekt: Rheinwasser soll Braunkohle-Tagebaue in Seen verwandeln
Riesiges Wasserleitungsprojekt in Nordrhein-Westfalen gestartet – Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue mit Rheinwasser geplant
In Nordrhein-Westfalen hat ein gigantisches Wasserleitungsprojekt begonnen, das ehemalige Braunkohletagebaue mit Rheinwasser fluten soll. Das 45 Kilometer lange System aus 10.000 Rohren wird die ehemaligen Abbaugebiete langfristig in Seen verwandeln – doch Sorgen um die Wasserqualität und langfristige Folgen bleiben ungelöst. Umweltverbände und lokale Kritiker zweifeln daran, ob das Vorhaben seine Versprechen halten kann, ohne neue Probleme zu schaffen.
Offiziell gestartet wurde das Projekt mit einem symbolischen Spatenstich in Elsdorf am Rand des Tagebaus Hambach. RWE hat bereits Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Leitungsbau erhalten, doch eine entscheidende Freigabe fehlt noch: die endgültige Entscheidung über die Einleitung von Rheinwasser in den Tagebau Hambach, die frühestens im Herbst 2026 erwartet wird. Die Bezirksregierung Arnsberg erteilte im Januar 2026 die Baugenehmigung, doch auch das Wasser- und Schifffahrtsamt muss noch zustimmen, bevor die Flutung beginnen kann.
Ab 2030 soll die Flutung mit dem Tagebau Hambach starten, gefolgt von Garzweiler und Inden im Jahr 2036. Ziel ist es, neue Seen zu schaffen, den Wasserkreislauf zu stabilisieren und Feuchtgebiete im rheinischen Revier zu schützen. Doch Umweltorganisationen wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben warnen, dass das Rheinwasser Schadstoffe mit sich führen könnte – darunter auch "ewige Chemikalien" wie PFAS, die die zukünftigen Seen belasten könnten.
Kritiker wie Andreas Büttgen fordern strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers vor der Umleitung. Büttgen warnt zudem, RWE könnte das Projekt bei steigenden Herausforderungen aufgeben, sodass die Steuerzahler für die langfristigen Kosten aufkommen müssten. Hinzu kommt, dass Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region große Mengen Wasser für die Kühlung benötigen wird – was die Sorge um lokale Wasserknappheit weiter verschärft.
Der Zeitplan erstreckt sich über Jahrzehnte, was es für die Öffentlichkeit schwierig macht, Fortschritte zu verfolgen oder Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Zwar wird die Pipeline bereits gebaut, doch die vollen ökologischen und finanziellen Folgen könnten erst in Jahren deutlich werden.
Die Fertigstellung der Leitung markiert den ersten Schritt in einer jahrzehntelangen Umgestaltung der ehemaligen Tagebaue. Gelingt das Projekt, wird es die Landschaft in ein Netz aus Seen und geschützten Feuchtgebieten verwandeln. Doch ungelöste Genehmigungsverzögerungen, Kontaminationsrisiken und konkurrierende Wasseransprüche lassen den Ausgang vorerst offen.






