"Kein Körper passt hier": Kims Kampf um Identität packend auf der Berliner Bühne
Julian Schmitz"Kein Körper passt hier": Kims Kampf um Identität packend auf der Berliner Bühne
Die Bühnenadaption von Kein Körper passt hier, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, feierte vor ausverkauftem Haus Premiere an Berlins Vaganten Bühne. Das Stück bringt eine zutiefst persönliche Geschichte von Identität, Trauma und dem Brechen des Schweigens auf die Bühne. Mit kühnen Bildern und emotionaler Tiefe inszeniert, gelingt damit ein kraftvoller Transfer von der Buchseite zur Theaterbühne.
Die Produktion begleitet Kim, eine genderfluide Protagonist:in, die sich in einer Welt behaupten muss, die ihre Fluidität ablehnt. Durch Briefe an ihre Großmutter – liebevoll Großmeer genannt – rekonstruiert Kim eine mütterliche Ahnenlinie, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Diese Spurensuche fördert verdrängte Traumata zutage, die über Generationen weitergegeben wurden, und zeigt Schweigen als eine Form der Gewalt.
Auf der Bühne verkörpern die drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – Kims Kampf mit beeindruckender körperlicher Präsenz. Zerrissene beige Strumpfhosen hängen von der Decke, beschwert mit Sand und Kugeln, und symbolisieren die Last der unausgesprochenen Geschichte. In einer Modenschau-Szene präsentiert das Ensemble sich in weißen Spitzenkleidern, während Kim an anderer Stelle unter einer Blutbuche Schutz sucht, einem der wenigen sicheren Orte.
Der Höhepunkt des Stücks ist das symbolische Bestatten des Großen Meeres – ein Ritual, das fast neunzig Minuten des Schweigens bricht. Die rohe Energie und die poetischen Bilder der Inszenierung spiegeln die Themen des Romans wider: den Kampf um Selbstakzeptanz und die Weigerung, sich in binäre Rollen pressen zu lassen.
Kim de l'Horizons Kein Körper passt hier gewann 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis. Die Bühnenfassung bleibt ihrem Ursprung treu und verbindet Surrealismus mit intimer Erzählweise. Die Premiere an der Vaganten Bühne bestätigt die emotionale Wucht der Geschichte in einem neuen Medium. Mit ihrem ausverkauften Debüt beweist die Adaption die anhaltende Kraft von Kims Erzählung. Die Auseinandersetzung mit Trauma, Fluidität und Heilung hinterlässt beim Publikum ein nachhallendes, körperlich spürbares Erlebnis – lange nach dem Fall des Vorhangs.






