Grüne suchen mit Provokation junge Männer für feministische Politik zu gewinnen
Lotta HofmannGrüne suchen mit Provokation junge Männer für feministische Politik zu gewinnen
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, wirbt für einen neuen Ansatz, um junge Männer für feministische Ideen zu gewinnen. Seine jüngsten Äußerungen und Social-Media-Beiträge haben eine Debatte ausgelöst – darunter eine provokante Aussage darüber, dass Männer sich schämen sollten. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der Daten zeigen, dass junge männliche Wähler zunehmend rechtsextreme Parteien statt progressive bevorzugen.
Innerhalb der Grünen hat dieser Wandel Diskussionen ausgelöst, wie die Partei wieder stärker mit Männern in Kontakt treten kann – besonders nach Jahren, in denen der Fokus auf Frauenrechten und Gleichberechtigung lag.
Banaszak testete seine Botschaft erstmals im Februar in einem Playboy-Interview. Dort argumentierte er, dass starre Geschlechterrollen sowohl Männer als auch Frauen schaden und dass Männer Feminismus auch im eigenen Interesse unterstützen sollten. Sein Büro, das in seiner Lieblingsfarbe – Pink – gestrichen ist, ist zu einem kleinen Symbol dieser Haltung geworden.
Im April traf sich der Bundesfrauenrat, ein offizielles Parteigremium, mit ihm, um über seine geplante „Männerpolitik“ zu sprechen. Die Idee ist nicht völlig neu: Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich. Doch Banaszaks jüngster Social-Media-Beitrag, in dem er andeutete, Männer sollten sich für bestimmtes Verhalten schämen, war bewusst darauf ausgelegt, Reaktionen hervorzurufen.
Die Herausforderung ist deutlich: Bei der letzten Bundestagswahl wählten Männer unter 24 Jahren häufiger die rechtsextreme AfD als jede andere Partei, während junge Frauen eher zu Mitte-links-Parteien tendierten. Rasmus Andresen, Europaabgeordneter der Grünen, sieht die Lösung darin, gemeinsame Schnittmengen zu finden, indem linke Themen wie Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit mit Anliegen verknüpft werden, die jungen Männern bereits am Herzen liegen.
Außerhalb der Grünen hat die Debatte eine andere Richtung genommen. Maximilian Krah von der AfD riet jüngst in einem Video vor der Europawahl 2024 jungen Männern, die Probleme bei der Partnersuche hätten, sie sollten „auf der richtigen Seite“ stehen. Unterdessen verweist Banaszaks Team auf Beispiele wie den Torwart Tim Wiese, der vor zwei Jahrzehnten ohne Rücksicht auf seine Männlichkeit Pink auf dem Platz trug.
Die Grünen loten nun Wege aus, wie Feminismus für junge Männer attraktiver gemacht werden kann. Banaszaks Ansatz kombiniert Provokation mit Politik, während andere in der Partei auf gemeinsame Interessen setzen. Ob diese Strategie die Wahlpräferenzen ändern wird, bleibt abzuwarten.
Fürs Erste zeigt die Diskussion eine wachsende Kluft: Während rechtsextreme Parteien bei jungen männlichen Wählern an Zuspruch gewinnen, überdenken progressive Gruppen, wie sie diese wieder für sich gewinnen können.






