EU-Ökodesign-Regeln überfordern viele Unternehmen – besonders den Mittelstand
Julian SchmitzEU-Ökodesign-Regeln überfordern viele Unternehmen – besonders den Mittelstand
Neue EU-Nachhaltigkeitsvorschriften sind in Kraft – doch Unternehmen kämpfen mit der Umsetzung
Seit dem 18. Juli gelten die verschärften Ökodesign-Verordnungen der EU, die Hersteller dazu verpflichten, langlebigere, reparierbare und besser recycelbare Produkte zu entwickeln. Doch wie Experten der Fachhochschule Bielefeld (HSBI) warnen, tun sich viele Betriebe – insbesondere kleinere – schwer mit der Anpassung.
Der Europäische Green Deal setzt ehrgeizige Ziele: Bis 2050 soll die EU klimaneutral werden, bis 2030 müssen die Treibhausgasemissionen um 55 Prozent sinken. Ein zentraler Baustein ist die Ökodesign-Verordnung, die Unternehmen zwingt, ressourcenschonender zu produzieren und die Lebensdauer, Reparierbarkeit sowie Recyclingfähigkeit ihrer Waren zu verbessern. Doch bereits jetzt zeigt sich: Vor allem die Kunststoffbranche hat Mühe, die Mindeststandards für Recycling zu erfüllen.
Am HSBI-Projekt InCamS@BI wird erforscht, wie Unternehmen diese Umstellung bewältigen können. Das Team, zu dem die Wirtschaftsrechtsexpertin Kristin Maoro, der Berater Micha Steiner und Prof. Dr. Christiane Nitschke gehören, untersucht, wie Betriebe die neuen Nachhaltigkeitsauflagen in die Praxis umsetzen können.
Maoros Studien zufolge können Unternehmen die Gesetzgebung mitgestalten – etwa durch Beteiligung an Fachdebatten, die Mitgliedschaft in Branchenverbänden oder den direkten Austausch mit Politikern. Doch Steiners Masterarbeit deckt ein grundlegendes Problem auf: Viele Firmen wissen schlicht nicht, welche konkreten Produktanforderungen sie erfüllen müssen. Nitschke ergänzt, dass die Green-Deal-Vorgaben die spezifischen Herausforderungen des deutschen Mittelstands nur unzureichend berücksichtigen.
Ziel von InCamS@BI ist es, praxistaugliche Lösungen für einen nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen zu entwickeln. Die Experten analysieren Verordnungen, Richtlinien und Gesetze, um Unternehmen durch den Wandel zu begleiten.
Die Ökodesign-Regeln sind zwar in Kraft getreten, doch die Einhaltung bleibt für viele eine Hürde. Die HSBI-Forschung zeigt: Es fehlt an Klarheit und Umsetzbarkeit – besonders für kleinere Betriebe. Ohne präzisere Vorgaben oder gezielte Unterstützung könnten viele Unternehmen die EU-Nachhaltigkeitsziele nicht fristgerecht erreichen.






