Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum Straßenmagazine immer weniger Leser finden
Lukas RichterDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum Straßenmagazine immer weniger Leser finden
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Auflage. Die monatlichen Verkaufszahlen sind von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 gesunken. Dieser Einbruch spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Seit 2010 sind die Verkaufszahlen deutscher Straßenzeitungen um 50 bis 80 Prozent eingebrochen.
Die Probleme des Magazins haben zwei Hauptursachen: die allgemeine Krise der Printmedien und eine wachsende Ablehnung der Verkäufer:innen. Viele Kund:innen meiden zunehmend den Kontakt – besonders mit Menschen mit Migrationshintergrund. Um die steigenden Kosten auszugleichen, hat "fiftyfifty" den Verkaufspreis von 2,80 Euro auf 3,40 Euro erhöht.
Wie andere Straßenmagazine finanziert sich "fiftyfifty" vor allem über den Verkauf, doch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie unterstützen zusätzliche soziale Projekte. Die Verkäufer:innen behalten die Hälfte des Erlöses pro verkauftem Heft – ein Modell, das Würde und Sinn stiftet. Die digitale Ausgabe "fiftyfifty-ObdachLOS" funktioniert wie eine Rubbellos-Karte und bietet eine weitere Möglichkeit, die Verkäufer:innen zu unterstützen.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor: Es dient als Plattform für politische Forderungen, macht auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam, denen Obdachlose ausgesetzt sind, und schafft direkte Verbindungen zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und der Gesellschaft. Für viele Verkäufer:innen bedeutet ein Exemplar in der Hand mehr als Einkommen – es verleiht Sichtbarkeit, Schutz und ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Auch andere Straßenmagazine in Deutschland kämpfen mit ähnlichen Problemen. "Strassenfeger" in Berlin und "Unterwegs" in Hamburg verzeichnen ebenfalls starke Rückgänge. Um zu überleben, setzen sie auf alternative Modelle: Crowdfunding, Online-Shops oder sogar soziale Unternehmenscafés. Manche sind inzwischen auf subventionierte Workshops angewiesen, um weiterarbeiten zu können.
Der Verkaufsrückgang zwingt "fiftyfifty" und andere Straßenzeitungen zum Umdenken. Höhere Preise, digitale Angebote und Gemeinschaftsunterstützung werden immer wichtiger für ihr Überleben. Trotz aller Herausforderungen bleibt das Magazin eine Stimme für obdachlose Verkäufer:innen – und eine Möglichkeit, mit Respekt Geld zu verdienen.